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Mai 2009
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Afrika-Seminar
der Hellwegregion
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30. Mai 2009, Samstag, 9.30-18.00 Uhr ·
Eintritt frei
VHS-Hamm, Hohe Str. 71, Hamm-Mitte
Ablauf des Afrika-Seminartages:
10:00
Allgemeine Einführung über den anthropogenen Klimawandel und dessen
Auswirkung auf Afrika durch Satelliten-Bilder der Klimaexpedition
(Geoscopia) mit Holger Vogt
<=Zurück zum Ablauf des Afrika-Seminartages
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Klimawandel in Afrika
=> Zum Beitrag von Holger Voigt
(Geoscopia Umweltbildung)
Holger Voigt erläutert anhand aktueller und
aufgezeichneter Satellitenbilder die Auswirkungen des Klimawandels in Afrika
und speziell am Kilimandscharo und am Tschadsee. Einführend werden die
Faktoren erläutert, die für die langfristigen Schwankungen des Weltklimas
bestimmend sind:
Die Neigung der Erdachse, die für die Ausprägung der Jahreszeiten
verantwortlich ist, schwankt im Zeitraum von ca. 25.000 Jahren um +- 1,5° um
einen Mittelwert von 23,4°.
Auch die Aktivität der Sonne schwankt und beeinflusst das Klima. Die
bekannten Klimaschwankungen in vorindustrieller Zeit lassen sich mit diesen
natürlichen Faktoren befriedigend erklären.
Um allerdings die speziell in den letzten 50 Jahren
beobachteten Verschiebungen zu verstehen, muss der anthropogene Treibhauseffekt berücksichtigt werden. Diese vom
Menschen vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger verursachte
Erwärmung der Erdatmosphäre beläuft sich zurzeit auf ca. ein Grad.
Allerdings wird ein weiterer Temperaturanstieg
aufgrund der bereits emittierten oder in den nächsten Jahrzehnten
zwangsläufig anfallenden Treibhausgase nicht zu verhindern sein. Selbst bei
einer ambitionierten internationalen Klimapolitik, die eine Reduktion der
Treibhausgasemissionen bis 2050 um ca. 80-90% gegenüber 1990 festschreibt,
ist mit einem Temperaturanstieg um insgesamt 2° Celsius zu rechnen. Im
Status-quo-Szenario, wenn also die bisherige Entwicklung der
Treibhausgasemissionen fortgeschrieben wird, ergibt sich bis 2050 ein
Temperaturanstieg von ca. 5 bis 6 Grad.
Es gibt weitere auf menschliche Aktivitäten zurückzuführende
Klimabeeinflussungen, die eine Prognose erschweren. So bewirkt Staub in der
Atmosphäre eine gewisse Abkühlung, so dass in der Frühphase der
Industrialisierung der Effekt der CO2-Emissionen teilweise kompensiert worden
ist. Mit dem Einsatz von Filtern entfällt diese „Bremswirkung“
und der Treibhauseffekt beschleunigt sich. Die Temperatur wirkt auf die
Verdunstung und beeinflusst somit auch die Niederschläge. Während eine
erhöhte Temperatur die Verdunstung verstärkt, beeinflusst eine Abholzung von
Wäldern die Verdunstung negativ.
In unserem Alltag mögen uns zwei Grad nicht als sonderlich viel erscheinen,
aber die schon jetzt bei ca. 1°C Temperaturerhöhung zu beobachtenden
Veränderungen sind beträchtlich. Holger Voigt führt hierzu zwei Beispiele an,
die er anhand von Satellitenbildern erläutert:
 
Der Tschad-See ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft. Dies ist auf
direkte und indirekte Folgen des Klimawandels zurückzuführen: Die Verdunstung
des Wassers aus dem See hat zugenommen, während im Einzugsgebiet zunächst
weniger Niederschläge zu beobachten waren. Zudem hat es bedingt durch die
Trockenheit in der Umgebung viele Zuzüge gegeben. Ca. 500.000 Menschen haben
sich zusätzlich im Umfeld des Sees angesiedelt und nutzen Wasser für
Landwirtschaft und Viehzucht. Dies hat den Trend zur Schrumpfung des Sees
verstärkt und dazu geführt, dass auch eine Reihe niederschlagsreicher Jahre,
wie sie jüngst zu beobachten waren, die Tendenz nicht umkehren konnte.
Der Kilimandscharo ist für seine Eiskappe bekannt. Wie auch beim Mount Kenia und
zahlreichen anderen Gletschern wird im Eis Wasser gespeichert und nach und
nach abgegeben, so dass die von den Gletschern gespeisten Flüsse ganzjährig
Wasser führen. Beim Kilimandscharo bildet die Eiskappe die Grundlage für den
Kaffeeanbau in der Region. Diese Eiskappe ist in den letzten 80 Jahren um ca.
80 % geschrumpft. Ein vollständiges Abschmelzen wird allgemein erwartet. Die
Schätzungen, wann der Kilimandscharo im Sommer eisfrei sein wird, reichen von
2015 bis 2045.
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Da der Klimawandel
auch bei konsequentem Klimaschutz nur noch einzudämmen, aber auf absehbare Zeit nicht
rückgängig zu machen ist, werden inzwischen Maßnahmen zur Anpassung
(Adaption) diskutiert und sind auch schon ergriffen worden. So pflanzen in
Rheinland-Pfalz Weinbauern inzwischen Rebsorten an, die ursprünglich an
wärmeren Standorten kultiviert worden sind.
Boniface
Mabanza
stellt das Konzept der „ökologischen Schulden“ zur Diskussion.
Die Treibhausgasemissionen werden global wirksam, wobei arme Länder
tendenziell stärker getroffen werden, da sie verwundbarer sind (siehe hierzu
auch den Beitrag über Klimaflüchtlinge). Verursacht worden sind die
Emissionen aber ganz überwiegend von den Industriestaaten, speziell von
Europa und den USA. Die spät und/oder schwach industrialisierten Staaten sind
nicht nur vom Klimawandel betroffen, den sie nicht zu verantworten haben, sie
haben auch nicht die Möglichkeit, ihren „gerechten“ Anteil an
fossiler Energie zu nutzen, da sich sonst der Treibhauseffekt weiter
verstärken würde.
Aus diesem Konzept resultiert die Forderung nach einem von den
Industriestaaten gespeisten „Adaptionsfonds“, den es in Ansätzen
bereits gibt, der aber sehr viel besser ausgestattet werden müsste.
Holger Voigt sieht die besondere Qualität des Konzepts der ökologischen
Schulden darin, dass die Entwicklungszusammenarbeit den Charakter des
Freiwilligen verliert und stattdessen verbindliche Zahlungsverpflichtungen
anerkannt werden.
Es wird diskutiert, inwieweit die Entwicklungsländer administrativ in der
Lage sind, ihre Interessen wirkungsvoll bei internationalen
Klimaverhandlungen zu vertreten. Hier verweist Holger Voigt darauf, dass die
Delegationen der armen Länder zwar vergleichsweise klein sind, aber bspw.
Germanwatch den afrikanischen Staaten Beratung anbietet.
Das
Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS statt und wurde über InWent
(Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) aus Mitteln des BMZ und
vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

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