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Mai 2009

Afrika-Seminar der Hellwegregion

30. Mai 2009, Samstag, 9.30-18.00 Uhr · Eintritt frei
VHS-Hamm, Hohe Str. 71, Hamm-Mitte

Ablauf des Afrika-Seminartages:
11:00 Nigeria – Energiemangel beim Erdölexporteur
=> Zum Beitrag von Dr. Paul Krämer (Lernen-Helfen-Leben e.V.)

<=Zurück zum Ablauf des Afrika-Seminartages

Ablauf

Inputs

Klimawandel

Klimaflüchtlinge

Nigeria

Guinea

Kongo

Mittagessen

Tansania

Namibia

Das Afrika-Bild

Auswertung

Nigeria: Energiemangel beim Erdölexporteur
=> Zum Beitrag von Dr. Paul Krämer (Lernen-Helfen-Leben e.V.)

Die Entwicklungs- und Umweltproblematik Nigerias ist eng mit der Erdölförderung verknüpft. Dr. Krämer präsentiert die beeindruckende Aufnahme einer meterhohen Gasflamme, wie sie beim Abfackeln von Erdgas entsteht, das bei der Erölförderung als Abfallprodukt anfällt. Das Erdgas ließe sich ohne weiteres aufbereiten und wirtschaftlich nutzen, trotzdem ist dieses Abfackeln vielerorts gängige Praxis.

In Nigeria ist allerdings der Anteil des unnütz abgefackelten Gases überdurchschnittlich hoch. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid trägt erheblich zum Treibhauseffekt bei.
Für die lokalen Ökosysteme sind
Lecks in den Ölpipelines
die größte Bedrohung.

Durch auslaufendes Öl wird vor allem das Wasser verunreinigt und somit die Trinkwasserversorgung gefährdet. Auch die illegale Entnahme von Öl aus den Pipelines ist ein großes Problem: Immer wieder kommt es dabei zu schweren Unfällen. Obwohl Nigeria einen Großteil des geförderten Öls exportiert, herrscht im Land ein Mangel an Petroleum. Daher werden 51% des Energiebedarfs aus Holz gedeckt. Speziell in der Savannenzone übersteigt die Holzentnahme die natürliche Regenerationsfähigkeit der Bestände. Der Brennstoffmangel führt dazu, dass auch junge Triebe und Wurzeln verheißt werden. Auch die Schutzgebiete werden von der notleidenden Bevölkerung nicht respektiert. Die Desertifikation der Savanne schreitet somit voran. Das Problem wird noch durch den Einsatz von Holzkohle verschärft. Holzkohle ist beliebt, weil sie sauberer verbrennt und leichter zu transportieren ist als Holz. Allerdings geht bei der Verkohlung Energie verloren und es werden daher (bezogen auf den gleichen Endenergieverbrauch) zusätzliche Emissionen freigesetzt.
Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) empfiehlt daher die verstärkte Nutzung des Gases, das bislang abgefackelt wird. Damit würde nur gültiges Recht umgesetzt: Das Abfackeln ist in Nigeria eigentlich verboten.
Umwelt- und Entwicklungsprobleme sind also in Nigeria eng verzahnt. Der Brennstoffmangel und letztlich die Wüstenbildung zwingen die Menschen im Süden des Landes dazu, ihre Heimat zu verlassen.
Im Norden sind es die ökologischen Schäden durch die Ölproduktion, die die Menschen in die Flucht treiben. Dazu kommt ein schwieriges politisches Umfeld: Korruption, staatliche Willkür und Gewalt erschweren die Entwicklung. So behindert teilweise der Zoll Klimaschutzmaßnahmen.
Es besteht eine Energiepartnerschaft zwischen Nigeria und Deutschland – eingebettet in die Energiepartnerschaft zwischen Europa und Afrika. Diese Kooperation auf Regierungsebene lässt allerdings den Sektor der privaten Haushalte unberücksichtigt.
In der Diskussion gibt Boniface Mabanza zu bedenken, dass die nigerianischen Eliten in erheblichem Maße Verantwortung für die Missstände tragen. Daher müsse auf den Staatsapparat Druck von innen und außen ausgeübt werden, um die Erlöse aus der Erdölförderung der Entwicklung des Landes zukommen zu lassen.
Auch in Guinea sei zu beobachten, wie der Abbau von Rohstoffen die heimische Landwirtschaft schädige und nur die Eliten begünstige.
Marcos da Costa Melo sieht in der Stärkung der Zivilgesellschaft und in der Bildung die Ansatzpunkte für eine nachhaltige Demokratisierung der betreffenden Länder. „Druck machen“ halte er für einen zwiespältigen Ansatz. Die Frage sei, wen der Druck letztlich treffe.
Ein Teilnehmer berichtet von Ghana, wo die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ein vielversprechendes
Good-Governance-Projekt durchführe. Hierbei werden die Chefs auf Dorfebene eingebunden. Sie erlangen dadurch ein verstärktes Problembewusstsein.
Holger Voigt benennt die Zölle und Exportsubventionen der EU als wesentliches Problem. So werde Afrika von Tomatenmark aus Europa geradezu überflutet. Die heimische Produktion habe im Wettbewerb keine Chance. Auch müssten für die in Afrika gewonnenen Rohstoffe wie z.B. Coltan und andere Metalle faire Preise gezahlt werden.
Boniface Mabanza sieht die Konjunkturprogramme der OECD-Staaten kritisch: Hier sei kein Umdenken zu erkennen, sondern die alten Strukturen würden gestärkt. Die Entwicklungsprojekte der Kirchen würden in der öffentlichen Wahrnehmung überschätzt: Die staatlichen Hilfen und vor allem die Beseitigung der Handelsungleichgewichte seien entscheidend.

Das Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS statt und wurde über InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) aus Mitteln des BMZ und vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

 

 

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