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Mai 2009
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Afrika-Seminar
der Hellwegregion
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30. Mai 2009, Samstag, 9.30-18.00 Uhr ·
Eintritt frei
VHS-Hamm, Hohe Str. 71, Hamm-Mitte
Ablauf des Afrika-Seminartages:
11:30
Arbeitsgruppe 1: Impulsreferate über
medizinische und schulische Hilfsprojekte in Guinea mit Claudia Kasten
(Hammer Forum) und Rahime Diallo (The Bridge: Entwicklungs- und Partnerschaftsprojekte
in Schulen)
<=Zurück zum Ablauf des Afrika-Seminartages
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Guinea (Arbeitsgruppe 1)
=> Zum Beitrag von Claudia Kasten (Hammer Forum e.V.) und
=> Rahime Diallo (The Bridge e.V.
und Institut für soziale Innovation)
Guinea ist in der Region der politisch stabilste
Staat und hat in den letzten Jahren zahlreiche Flüchtlinge aus den von –
inzwischen beigelegten – Bürgerkriegen betroffenen Nachbarstaaten
Sierra Leone und Liberia aufgenommen. 700.000 Bürgerkriegsflüchtlingen waren
in Lagern untergebracht, dazu kamen etwa ebenso viele, die woanders Aufnahme
gefunden haben. Zwischenzeitlich galt Guinea als das Land mit den meisten
Flüchtlingen pro Kopf der Bevölkerung weltweit.
Die
Zahl der Flüchtlinge, die innerhalb eines halben Jahres aufgenommen worden
sind, betrug ca. 10% der Einwohnerschaft.
Seit 2003 wurden die Flüchtlinge zurückgeführt. Die Vereinten Nationen und
das Rote Kreuz haben sich zurückgezogen. Französisch fungiert in Guinea als
Amtssprache. In einigen ländlichen Gebieten ist allerdings eine Verständigung
in Französisch schwierig.
Die 22 Volksgruppen Guineas haben eigene Sprachen,
die teilweise eng miteinander verwand, teilweise eigenständig sind. In der
Hautstadt Conakry ist zu beobachten, dass Englisch gegenüber dem
Französischen an Bedeutung gewinnt.
Guinea zeichnet sich durch eine große naturräumliche Vielfalt aus. Neben der
Savanne gibt es die Gebirgsregion, die ein wichtiges Quellgebiet darstellt.
Hier entspringen der Niger, der Senegal und der Gambia-Fluss.
Die Naturschönheiten und die Gastfreundlichkeit verhelfen Guinea zu einem
großen Tourismus-Potenzial, das noch kaum ausgeschöpft wird.
Das Wirtschaftsleben im ländlichen Raum ist durch die Subsistenzwirtschaft
geprägt. Dies liegt vor allem an einer schlechten Verkehrsinfrastruktur, die
Transporte teuer und terminlich unzuverlässig macht. (Das Hammer Forum
kalkuliert für die 800 km von Conakry nach Guéckédou mit 13 Stunden Fahrzeit.) Somit
wird ein arbeitsteiliges Wirtschaften erschwert. Motorrad-Taxis sind die
wichtigsten Verkehrsmittel. Ein weiteres Hemmnis für die wirtschaftliche
Entwicklung
ist die instabile Stromversorgung. Es kommt selbst in Conakry unangekündigt
zu mehrstündigen Stromabschaltungen für einzelne Bezirke. Durch den damit
einhergehenden Ausfall der Pumpen wird auch die Wasserversorgung
beeinträchtigt.
Die Kommunikationsinfrastruktur wurde inzwischen ausgebaut, so dass
flächendeckend ein Mobilfunknetz verfügbar ist.
Das bedeutendste Ereignis der jüngeren politischen Entwicklung war ein Putsch
im Jahr 2008. Allgemein ist damals der Ausbruch eines Bürgerkriegs befürchtet
worden, der aber ausgeblieben ist. Die Militärregierung unter Moussa
Dadis Camara
ist von der EU nicht anerkannt worden. Deswegen gibt es seither keine
staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit EU-Ländern.
Ein Jahr zuvor ist es zu einem Generalstreik gekommen, in dem sich der Unmut
über die grassierende Korruption entladen hatte. Laut Transparency
International ist Guinea das afrikanische Land mit der höchsten Korruption.
Das Hammer Forum kann diesen Befund nicht bestätigen: Die Zusammenarbeit mit
den lokalen Behörden in Guéckédou sei immer unproblematisch gewesen, so Frau Kasten.
Die Arbeitsniederlegung ist gewaltsam beendet worden, wobei es nach
offiziellen Angaben zu 200 Todesfällen gekommen ist. Inoffizielle Quellen
sprechen von ca. 1.000 Toten.
Aber trotz aller politischen, sozialen und ethnischen Spannungen ist Guinea
in den 51 Jahren seiner Unabhängigkeit von Bürgerkrieg verschont geblieben
– was in der Region eine Ausnahme darstellt.
Die Militärregierung hat für 2010 Wahlen in Aussicht gestellt.
Die Kolonisierung Guineas erfolgte nach einer Serie von Kriegen seit 1892/93
erst im Jahr 1934. Die Kolonialzeit unter französischer Herrschaft endete
1958.
Guinea ist überwiegend islamisch geprägt (80%). 15 % der Bevölkerung sind
Christen, die restlichen 5 % Anhänger traditioneller Religionen.

Von den verschiedenen
Ethnien gelten die Malinke als kulturell prägend, obwohl die Fulbe (auch:
Felatta) mit 42 % den größten Bevölkerungsanteil stellen. Ferner sind die Susu bedeutend,
deren Sprache eng mit der der Malinke verwandt ist. Die Kpelle verfügen dem
hingegen über eine eigenständige Sprache. Insgesamt sind in Guinea 22
Volksgruppen beheimatet.
Guinea ist reich an Bodenschätzen – vor allem an
Bauxit (Grundstoff für die Aluminium-Verhüttung), Eisenerz, Erdöl, Gold und
an der Grenze zu Mali Diamant. Paradoxer Weise macht dieser natürliche
Reichtum Guinea zum „verfluchten Land“. Der Fluch besteht darin,
dass die Rohstoffe von US-amerikanischen, europäischen und verstärkt
chinesischen Konzernen abgebaut werden, ohne dass Guinea davon profitiert.
Dies wird von einer korrupten Elite begünstigt, die eine angemessen
Besteuerung der Konzerne vereitelt und illegale Exporte zulässt. Es fehlt
auch an staatlicher Autorität, um Mindestlöhne durchzusetzen und illegale
Beschäftigung (speziell Kinderarbeit) zu unterbinden. In aller Regel erfolgt
die Weiterverarbeitung der Rohstoffe im Ausland, so dass keine weitere
Wertschöpfung in Guinea stattfindet. Der Rohstoffreichtum schlägt sich also
weder im Steueraufkommen noch im Einkommen und somit in der Kaufkraft der
Bevölkerung nieder.
Ein fruchtbarer Boden begünstigt die Landwirtschaft. Als
wichtiges Exportgut ist hier die Mango zu nennen.
Das Bildungsniveau in Guinea ist relativ hoch, obwohl
viele gut ausgebildete Guineaner im Ausland leben.
Das Hammer Forum betreibt in der Provinz Guéckédou neun
Gesundheitszentren, in denen vor allem Malaria, Wurminfektionen, Anämie und Billharziose
behandelt werden. Die benötigten Medikamente müssen aus Deutschland
eingeführt werden, da sie in Guinea nicht (zuverlässig) beschafft werden
können. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet das Hammer Forum
Kurse zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge an.
Guinea ist Opfer der Nestlé-Kampagne gegen das Stillen
geworden. 10.000 Kleinkinder sollen an verdorbenem Milchpulver gestorben
sein.
Der Verein „The Bridge“ hat bislang 5 Schulen und 3 Krankenstationen in
strukturschwachen Gegenden gebaut. Vorher mussten die Kinder teilweise einen
Schulweg von 10 Kilometern auf sich nehmen, um dann in Klassen von 100
Kindern unterrichtet zu werden. In den Schulen von „The Bridge“
beträgt die Klassenstärke 50-60 Kinder. Die Lehrerinnen und Lehrer werden von
den Eltern der Kinder zusätzlich durch Naturalien unterstützt. Ein besonderes
Anliegen des Vereins ist es, die Bildung von Mädchen zu fördern. Nachmittags
werden in den Schulen Alphabetisierungskurse für Frauen angeboten.
In den Krankenstationen kommt auch traditionelle
afrikanische Medizin mit Heilpflanzen zum Einsatz. Die Bekämpfung der Malaria
ist die größte Herausforderung.
Guinea ist Schwerpunktthema auf der Landesgartenschau 2010
in Hemer.
Das Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS
statt und wurde über InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung
gGmbH) aus Mitteln des BMZ und vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

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