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Afrika-Seminar
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Von Afrika lernen, EWU-Tag in Hamm (Sept. 2007)

Ausstellung: 1000 Families (Aug. 2007)

Wasserwelten-Projekt
(2005-2006)

Mai 2009

Afrika-Seminar der Hellwegregion

30. Mai 2009, Samstag, 9.30-18.00 Uhr · Eintritt frei
VHS-Hamm, Hohe Str. 71, Hamm-Mitte

Ablauf des Afrika-Seminartages:
11:30 Arbeitsgruppe 1: Impulsreferate über medizinische und schulische Hilfsprojekte in Guinea mit Claudia Kasten (Hammer Forum) und Rahime Diallo (The Bridge: Entwicklungs- und Partnerschaftsprojekte in Schulen)

<=Zurück zum Ablauf des Afrika-Seminartages

Ablauf

Inputs

Klimawandel

Klimaflüchtlinge

Nigeria

Guinea

Kongo

Mittagessen

Tansania

Namibia

Das Afrika-Bild

Auswertung

Guinea (Arbeitsgruppe 1)
=> Zum Beitrag von Claudia Kasten (Hammer Forum e.V.) und
=> Rahime Diallo (The Bridge e.V. und Institut für soziale Innovation)

Guinea ist in der Region der politisch stabilste Staat und hat in den letzten Jahren zahlreiche Flüchtlinge aus den von – inzwischen beigelegten – Bürgerkriegen betroffenen Nachbarstaaten Sierra Leone und Liberia aufgenommen. 700.000 Bürgerkriegsflüchtlingen waren in Lagern untergebracht, dazu kamen etwa ebenso viele, die woanders Aufnahme gefunden haben. Zwischenzeitlich galt Guinea als das Land mit den meisten Flüchtlingen pro Kopf der Bevölkerung weltweit.
Die Zahl der Flüchtlinge, die innerhalb eines halben Jahres aufgenommen worden sind, betrug ca. 10% der Einwohnerschaft.
Seit 2003 wurden die Flüchtlinge zurückgeführt. Die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz haben sich zurückgezogen. Französisch fungiert in Guinea als Amtssprache. In einigen ländlichen Gebieten ist allerdings eine Verständigung in Französisch schwierig.

Die 22 Volksgruppen Guineas haben eigene Sprachen, die teilweise eng miteinander verwand, teilweise eigenständig sind. In der Hautstadt Conakry ist zu beobachten, dass Englisch gegenüber dem Französischen an Bedeutung gewinnt.
Guinea zeichnet sich durch eine große naturräumliche Vielfalt aus. Neben der Savanne gibt es die Gebirgsregion, die ein wichtiges Quellgebiet darstellt. Hier entspringen der Niger, der Senegal und der Gambia-Fluss.
Die Naturschönheiten und die Gastfreundlichkeit verhelfen Guinea zu einem großen Tourismus-Potenzial, das noch kaum ausgeschöpft wird.
Das Wirtschaftsleben im ländlichen Raum ist durch die Subsistenzwirtschaft geprägt. Dies liegt vor allem an einer schlechten Verkehrsinfrastruktur, die Transporte teuer und terminlich unzuverlässig macht. (Das Hammer Forum kalkuliert für die 800 km von Conakry nach
Guéckédou mit 13 Stunden Fahrzeit.) Somit wird ein arbeitsteiliges Wirtschaften erschwert. Motorrad-Taxis sind die wichtigsten Verkehrsmittel. Ein weiteres Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung ist die instabile Stromversorgung. Es kommt selbst in Conakry unangekündigt zu mehrstündigen Stromabschaltungen für einzelne Bezirke. Durch den damit einhergehenden Ausfall der Pumpen wird auch die Wasserversorgung beeinträchtigt.
Die Kommunikationsinfrastruktur wurde inzwischen ausgebaut, so dass flächendeckend ein Mobilfunknetz verfügbar ist.
Das bedeutendste Ereignis der jüngeren politischen Entwicklung war ein Putsch im Jahr 2008. Allgemein ist damals der Ausbruch eines Bürgerkriegs befürchtet worden, der aber ausgeblieben ist. Die
Militärregierung unter Moussa Dadis Camara ist von der EU nicht anerkannt worden. Deswegen gibt es seither keine staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit EU-Ländern.
Ein Jahr zuvor ist es zu einem Generalstreik gekommen, in dem sich der Unmut über die grassierende Korruption entladen hatte. Laut Transparency International ist Guinea das afrikanische Land mit der höchsten Korruption. Das Hammer Forum kann diesen Befund nicht bestätigen: Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden in
Guéckédou sei immer unproblematisch gewesen, so Frau Kasten. Die Arbeitsniederlegung ist gewaltsam beendet worden, wobei es nach offiziellen Angaben zu 200 Todesfällen gekommen ist. Inoffizielle Quellen sprechen von ca. 1.000 Toten.
Aber trotz aller politischen, sozialen und ethnischen Spannungen ist Guinea in den 51 Jahren seiner Unabhängigkeit von Bürgerkrieg verschont geblieben – was in der Region eine Ausnahme darstellt.
Die Militärregierung hat für 2010 Wahlen in Aussicht gestellt.
Die Kolonisierung Guineas erfolgte nach einer Serie von Kriegen seit 1892/93 erst im Jahr 1934. Die Kolonialzeit unter französischer Herrschaft endete 1958.
Guinea ist überwiegend islamisch geprägt (80%). 15 % der Bevölkerung sind Christen, die restlichen 5 % Anhänger traditioneller Religionen.

Von den verschiedenen Ethnien gelten die Malinke als kulturell prägend, obwohl die Fulbe (auch: Felatta) mit 42 % den größten Bevölkerungsanteil stellen. Ferner sind die Susu bedeutend, deren Sprache eng mit der der Malinke verwandt ist. Die Kpelle verfügen dem hingegen über eine eigenständige Sprache. Insgesamt sind in Guinea 22 Volksgruppen beheimatet.
Guinea ist reich an Bodenschätzen – vor allem an Bauxit (Grundstoff für die Aluminium-Verhüttung), Eisenerz, Erdöl, Gold und an der Grenze zu Mali Diamant. Paradoxer Weise macht dieser natürliche Reichtum Guinea zum „verfluchten Land“. Der Fluch besteht darin, dass die Rohstoffe von US-amerikanischen, europäischen und verstärkt chinesischen Konzernen abgebaut werden, ohne dass Guinea davon profitiert. Dies wird von einer korrupten Elite begünstigt, die eine angemessen Besteuerung der Konzerne vereitelt und illegale Exporte zulässt. Es fehlt auch an staatlicher Autorität, um Mindestlöhne durchzusetzen und illegale Beschäftigung (speziell Kinderarbeit) zu unterbinden. In aller Regel erfolgt die Weiterverarbeitung der Rohstoffe im Ausland, so dass keine weitere Wertschöpfung in Guinea stattfindet. Der Rohstoffreichtum schlägt sich also weder im Steueraufkommen noch im Einkommen und somit in der Kaufkraft der Bevölkerung nieder.
Ein fruchtbarer Boden begünstigt die Landwirtschaft. Als wichtiges Exportgut ist hier die Mango zu nennen.
Das Bildungsniveau in Guinea ist relativ hoch, obwohl viele gut ausgebildete Guineaner im Ausland leben.
Das Hammer Forum betreibt in der Provinz Guéckédou neun Gesundheitszentren, in denen vor allem Malaria, Wurminfektionen, Anämie und Billharziose behandelt werden. Die benötigten Medikamente müssen aus Deutschland eingeführt werden, da sie in Guinea nicht (zuverlässig) beschafft werden können. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet das Hammer Forum Kurse zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge an.
Guinea ist Opfer der Nestlé-Kampagne gegen das Stillen geworden. 10.000 Kleinkinder sollen an verdorbenem Milchpulver gestorben sein.
Der Verein „The Bridge“ hat bislang 5 Schulen und 3 Krankenstationen in strukturschwachen Gegenden gebaut. Vorher mussten die Kinder teilweise einen Schulweg von 10 Kilometern auf sich nehmen, um dann in Klassen von 100 Kindern unterrichtet zu werden. In den Schulen von „The Bridge“ beträgt die Klassenstärke 50-60 Kinder. Die Lehrerinnen und Lehrer werden von den Eltern der Kinder zusätzlich durch Naturalien unterstützt. Ein besonderes Anliegen des Vereins ist es, die Bildung von Mädchen zu fördern. Nachmittags werden in den Schulen Alphabetisierungskurse für Frauen angeboten.
In den Krankenstationen kommt auch traditionelle afrikanische Medizin mit Heilpflanzen zum Einsatz. Die Bekämpfung der Malaria ist die größte Herausforderung.
Guinea ist Schwerpunktthema auf der Landesgartenschau 2010 in Hemer.

Das Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS statt und wurde über InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) aus Mitteln des BMZ und vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

 

 

 

 

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