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Tansania (Arbeitsgruppe 3)
=> Zum Beitrag von Erika Bhanji (Tansania-Gruppe Soest) und
=> Werner Döpke
(Tansania-Arbeitskreis Unna)
Tansania heute (u.a. www.bmz.de,
http://liportal.inwent.org/tansania/ueberblick.html)
Die Vereinigte Republik Tansania umfasst neben dem Festland (Tanganyika) auch
den teilautonomen Landesteil Sansibar und besteht insgesamt aus 26 Regionen,
die sich wiederum in Distrikte unterteilen. Die Hauptstadt ist Dodoma, das
wirtschaftliche Zentrum und Sitz der Regierung ist jedoch Daressalam.
Sansibar wird auch die 'Nelkeninsel' genannt, weil hier einmal der Großteil
der Weltproduktion an Gewürznelken hergestellt wurde. Sansibar hat ein
eigenes Parlament und einen eigenen Präsidenten. Seit der Einführung des
Mehrparteiensystems gibt es auf den zu Sansibar gehörenden Inseln Unguja und
Pemba erhebliche Konflikte.
Tansania und Deutschland verbindet eine kurze und zum Teil schmerzhafte
Kolonialvergangenheit. Von 1891 bis 1918 gehörten große Teile des Landes zur
Kronkolonie Deutsch-Ostafrika des Deutschen Reiches. Zur Erinnerung an die
brutale Niederschlagung des Maij-Maij-Aufstandes durch deutsche Besatzer vor
100 Jahren fanden 2005 gemeinsame Feierlichkeiten statt. Die
tansanisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit orientiert sich an dieser
nationalen Strategie. Sie konzentriert sich besonders auf die Bereiche
Wasserversorgung und Abwassermanagement, Gesundheitswesen –
einschließlich HIV/AIDS-Prävention – und Unterstützung lokaler
Governance-Prozesse.
Trotz des von der Verfassung seit 1992 garantierten Mehrparteiensystems kommt
den Oppositionsparteien auf dem Festland nur eine geringe Bedeutung zu, da
bei den Parlamentswahlen von 1995 und 2000 die Partei vom damaligen
Staatspräsident Benjamin Mkapa, CCM, über 80 % der Stimmen erhielt. Mit
dieser Wahl hat Jakaya Kikwete das Amt des Staatspräsidenten übernommen und
die Macht der CCM seit über 40 Jahren gefestigt. Die Oppositionsparteien
standen nach der Wahl 2005 stark geschwächt und zersplittert da. Nach
Benjamin W. Mkapa folgte 2005 Jakaya Kikwete als Präsident. Auf Sansibar kam
es bei Wahlen im selben Jahr zu innenpolitischen Spannungen und
Gewalttätigkeiten. Kikwete bemühte sich in der Folgezeit um wirtschaftliche
Reformen und die Bekämpfung der Korruption. Nach Korruptionsvorwürfen gegen
die Regierung musste Kikwete 2008 das Kabinett umbilden.
Erika
Bhanji; Tansania-Gruppe Soest
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Die
langjährige Krankenschwester berichtete über die von ihr gegründete Hauswirtschaftsschule
in der größten Stadt Tansanias, Dar es Salaam, für die sie sich auch nach
ihrem Ruhestand effektiv einsetzt. Seit 30 Jahre ist sie in der Kagera
Region, im äußersten Nordwesten von Tansania, durch ihre Hilfsprojekte sehr
aktiv. Sie fährt jährlich nach Tansania und verbringt dort oft mehrere
Monate. Ihre Arbeit stützt sich dabei besonders auf Sachspenden aus der
Bevölkerung in Deutschland, vor allem in ihrer Heimatregion Soest. An
diesem Afrika-Seminar gab Frau Bhanji den Zuhörer/innen einen
erlebnisreichen Einblick in ihre unmittelbare Entwicklungsarbeit.
Die von Frau Erika Bhanji initiierten Projekte haben den Schwerpunkt
Naturheilkunde und Ernährungssicherung (Hirsebrei). Das Nähprojekt hat im
Vordergrund die Frauenbildung.
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Frau Bhanji
erläutert im Workshop die Ergebnisse des Hirseprojekts, das im Jahr 2009 die
Versorgung der Kinder in Kagera Region mit der Hirsemahlzeit sichert.
Ausführlich berichtet sie über das Ziegenprojekt, das die Produktion von
Joghurt und Ziegenkäse sichert und die Selbstversorgung vorantreibt. Die 40
neu gekauften Ziegen haben im Jahr 2009 mehrere "Zwillinge"
geworfen, dadurch hat fast die Hälfte des geplanten Ziegenbestandes von 600
Ziegen erreicht. Die starken Ziegenböcke werden zur Weiterzucht aussortiert.
Die anderen Böcke können nach 6 bis 12 Monaten im Gemeinschaftsverbund von
fünf Familien geschlachtet und verzehrt werden.
Der
Verkauf einer Ziege würde nur einen minimalen Erlös bringen.
Nicht zuletzt berichtet sie über den Wiederanbau
einheimischen Naturkräutern für die eigene medizinische Versorgung. Aus den
Samen einiger Kräutersorte wird Öl produziert, mit dem Hautkrankheiten
behandelt werden können. Das erübrigt den Kauf der Nehm-Seife.
Im Bereich Energieversorgung berichtet sie über den Kauf
und die Nutzung der Solarlampen. Die Module werden ohne Sonne aufgeladen und
haben dann eine Brenndauer von 8 Stunden. 50 Familien kommen in diesem Jahr
in den Genuss. Mit einer Solarlampe werden einige Familien erstmalig ihr Haus
erleuchten. Die monatliche Abzahlung beträgt für zwei Jahre 2,50 Euro.
Mehr Infos zum Projekt unter www.tansania-kagera.org.
Werner Döpke, Tansania-Arbeitskreis Unna
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Werner
Döpke skizziert den Werdergang zur kirchlichen Partnerschaft:
Nachdem die Kirchen in den Jahren der Kolonialisierung Afrikas als Missionskirchen
aktiv waren und oft mit den Kolonialherren in einen Topf geworfen wurden,
was auch nicht immer falsch war, wurde bereits in den zwanziger Jahren nach
anderen Wegen gesucht. Die Zeit war damals aber noch nicht reif dafür. Erst
nach dem zweiten Weltkrieg stiegen die Chancen für die Kirchen zu einem
gleichberechtigten Umgang miteinander in Partnerschaften. Dies war nicht
unproblematisch. Noch 1973 wurde auf einer Konferenz in Bangkok
festgestellt, „Partnerschaft in der Mission bleibt ein leeres
Schlagwort“. Einen echten Knackpunkt bildeten die Geld- und
Sachspenden, die traditionell von Nord nach Süd flossen. Die Abhängigkeit
der armen von den reichen Ländern wurde dadurch erneut drastisch sichtbar.
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Es wurde
die Frage gestellt, ob sich so eine echte Partnerschaftlichkeit entwickeln
kann.
1987 wurde in El Escorial (Spanien) die Idee so formuliert: „ ... mit
leeren Händen begegnen, damit du dem anderen die Hand schütteln oder ihn
umarmen kannst. Die Versuchung des anderen besteht darin, nur deine Gaben und
nicht dich zu sehen... Mit leeren Händen können wir zusammen gehen, zusammen
arbeiten und einander dienen. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es aber
bis heute so aus, dass es kaum eine kirchliche Partnerschaft ohne
Partnerschaftsprojekt gibt. Woran liegt das?
Die
Spendenbereitschaft, die es hier in den letzten Jahrzehnten für Projekte in
Ländern des Südens gab, führte dazu, dass Geld auf dem Konto war, dass seinen
Weg gehen musste. Letztlich sind Projekte in der Partnerschaft auch etwas, an
denen sich die Partnerschaft visualisieren lässt.
Lothar Bauerochse hat in
seinem Buch „Mit einander leben lernen“ problematische Aspekte
der Projektförderung in Partnerschaften, die in erstaunlich vielen
Projektbeispielen aufgefallen sind und die deshalb von ihm als typisch
angesehen werden wie folgt aufgelistet:
1. Der Anstoß zu einem
Projekt kommt von den deutschen Partnern (Wir wissen, was die brauchen);
2. Die Projektidee entsteht
spontan während eines kurzen Besuches vor Ort.
3. Es werden relativ
schnell Finanzmittel zur Verfügung gestellt, ohne dass eingehendere
Überlegungen angestellt werden und langfristige Planungen vorliegen;
4. Probleme und Scheitern
werden nicht wirklich als Anlass zum Innehalten und zur Überprüfung des
Vorhabens wahrgenommen;
5. Eine kritische
Evaluierung der Projekterfahrungen gibt es nicht.
Alles in allem droht die
Gefahr der Abhängigkeit der afrikanischen Partner von der fortdauernden
Finanzhilfe ihrer deutschen Partner. Das Ziel, die Selbständigkeit der
afrikanischen Partner zu fördern, wird nicht erreicht.
Welche Erfahrungen haben
wir nun im Kirchenkreis Unna selbst damit gemacht?
1990 war eine Delegation in
Dar es Salaam. Es war der erste Besuch dort und wie das in vielen Fällen
geschehen ist, die deutschen Besucher, in diesem Fall der Superintendent
selbst waren der Meinung, sie wüssten, dass der Kirchenkreis in Dar es Salaam
ein schönes großes Büro brauche. Man war geschockt, in welch kleinem
„Kabuff“ der dortige Districtpastor seine Arbeit machen musste.
Eine Diskussion darüber, was wirklich benötigt wurde fand nicht statt und
natürlich fanden die tansanischen Gesprächspartner die Idee erstmal auch gut.
Zum Glück gab es schon damals einen Tansania-Arbeitskreis, in dem die Idee
erstmal abgekühlt wurde. Gestärkt durch die Beratung von Mitarbeitern der VEM
in Wuppertal machte man sich den Standpunkt zu Eigen, dass die Partnerschaft
nicht von Geld dominiert werden darf.
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Die
erste Gemeindepartnerschaft fand sich bereits 1993. Auch nach diesem Besuch
kam die Delegation zurück mit der Idee, dass die Freunde in der
Partnergemeinde unbedingt ein Krankenhaus brauchten. Eine Sammelaktion
wurde sofort gestartet. Auch hier war man sich überhaupt nicht im Klaren
darüber, ob das ein durchführbares Projekt war oder nicht.
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Auf tansanischer Seite waren offensichtlich Personen
involviert, die nicht ohne Eigeninteresse mitwirkten. Es gab lange und auch
heftige Diskussionen darüber, hier und bei Treffen in Dar es Salaam, in denen
dann doch deutlich wurde, dass dieses Projekt als Partnerschaftsprojekt
ungeeignet war, wegen diverser Punkte als da sind z.B. die
Gesamtfinanzierung, die die Möglichkeiten der beiden Gemeinden bei weitem
überstieg, die Folgekosten und die Dominanz, die ein solches Projekt für die
gesamte Partnerschaft gehabt hätte. Ausbildungsprojekte wurden danach in dieser
Gemeinde gestartet.
Es wurde ein Fonds eingerichtet und in Tansania suchte man Jugendliche aus,
die eine Berufsausbildung erhalten sollten. Kriterien für die Benennung
wurden nicht vereinbart, eine Überwachung erfolgte erst einmal nicht. Der
erste Versuch schlug fehl. Der „Schüler“ besuchte die Ausbildung
für die ihm monatliche Zuschüsse gezahlt wurden nur unregelmäßig. Nach
einiger Zeit wurde die Ausbildung ohne Abschluss beendet. Hieraus hat man
gelernt. Für die nächste Person wurde ein Pate benannt, der die Ausbildung
überwachte und dem der „Schüler“ auskunftspflichtig war. Dies hat
sich bewährt, auch wenn die Gemeinde darüber klagt, dass die Personen später
fortgezogen sind.
Als eine Delegation hier in der deutschen Gemeinde
war, hatte ein Baumarkt die werbewirksame Idee, den jungen Leuten eine
komplette Schreinerwerkstatt zu schenken. Dass die Gemeinde dafür kein
Gebäude hatte, wen interessierten schon solche Kleinigkeiten. Bei den
nächsten Besuchen in Dar es Salaam konnte dann aber festgestellt werden, dass
die Jugendgruppe dort sich des Problemes angenommen hatte und die Errichtung
einer Schreinerwerkstatt zu ihrer eigenen Sache gemacht hatte. Vielleicht war
es ein Vorteil, dass die Gemeinde gerade eine neue Kirche baute und dafür
Bänke benötigte? Eine Werkstatt war schnell errichtet, 4 Pfosten, ein paar
Querbalken und ein paar Platten Wellblech reichten hierfür aus. Im
vergangenen Jahr konnte ich mich selbst wieder von dem Stand des
Werkstattprojektes überzeugen.
Nicht nur die Bänke für die eigene Kirche waren fertig
(und zwar in einer handwerklichen hochwertigen Art), es wurden Bänke für eine
Nachbargemeinde hergestellt und die Werkstatt arbeitet heute mit Profit. Mit
den Überschüssen konnte man sich ein Studio einrichten, in dem zusätzlich
Musik-CDs produziert werden.
In unserer eigenen Partnergemeinde sind wir andere Wege
gegangen. Nachdem in der Anfangszeit auch der Wunsch herrschte, gespendetes
Geld möglichst schnell weiter zu leiten, ist man dann, nicht zuletzt auch
wegen der Probleme vor der eigenen Haustür ruhiger geworden. Vielleicht lag
es aber auch daran, dass die Menschen, die bei uns in der Partnerschaft aktiv
waren, auf langjährige Erfahrung zurück blicken konnten.
Mit der Partnergemeinde wurde diskutiert, was diese
vorrangig plante. Dabei handelte es sich um die provisorische Einrichtung
eines Kindergartens in einer alten Wellblechkirche, die mit dem Geld aus
Heeren-Werve kurzfristig realisiert werden konnte. Als ich selbst 2003 in der
Gemeinde war, legte man mir alle Rechnungen darüber vor, um klarzustellen,
dass jeder Schilling auch in den Kindergarten geflossen war. Eine wichtige
Handlung für die Vertrauensbildung. Eigenes Geld hatte man nur in geringem
Maße eingesetzt, da gleichzeitig der Fonds aufgelegt wurde für den späteren
Bau eines neuen Kindergartens.
Weitere Projekte wurden diskutiert und dann vereinbart,
wie z.B. die Ausbildung für drei Frauen im Schneidern und die Ausbildung von
Frauen in Kerzenziehen. Diese Projekte wurden klar als Partnerschaftsprojekte
deklariert und je zur Hälfte von beiden Gemeinden getragen. Zuletzt
beschäftigten sich beide Gemeinden mit dem Problem der Kinderarmut und
insbesondere auf tansanischer Seite mit dem Problem unversorgter Aidswaisen.
Wir haben vereinbart, dass beide Gemeinden wieder zu 50% die Kosten für den
Kindergartenbesuch von je 3 Kindern in Tabata übernehmen.
Aufgrund der hohen Zahl von Aidswaisen hat in der
Partnergemeinde ein Umdenkungsprozess eingesetzt. Natürlich kann man auf die
Einrichtung von money generating projects nicht verzichten aber der Bedarf an
diakonischen Projekten steigt ständig an. Nicht mehr alle Alten können in den
Familien ernährt werden, wenn die Zwischengeneration wegstirbt. Kinder, die
in der Verwandtschaft nicht unterkommen brauchen Hilfe. So werden von unseren
Partnergemeinden zurzeit insgesamt 25 Waisenkinder getragen, die Schulen
besuchen, bis hin zur Sekundarschule und ernährt werden müssen. Einige davon
werden auch in anderen Familien in der Gemeinde aufgenommen und von diesen
versorgt und zur Schule geschickt.

Wir
berichten uns gegenseitig über unsere Maßnahmen zur Verminderung der
Kinderarmut und mit Stolz stellen unsere Partner fest, dass sie hier eine
Menge mehr tun als wir. Es bleibt noch festzustellen, dass natürlich auch
Geldspenden ihren Weg finden aber das haben wir auch gelernt, dass es in der
tansanischen Tradition etwas Normales ist, wenn der eine Bruder den anderen
Bruder unterstützt, in dem was dieser tut. Dies wird bewusst nicht als
Partnerschaftsprojekt deklariert, da es sich um einseitig in Tansania
entwickelte Projekte handelt, die mit sehr viel Engagement durchgeführt
werden. Hierbei wird vermieden, dass wir durch die Höhe unsere Zuschüsse die
Projekte dominieren.
Eins bleibt vielleicht noch festzustellen. Wir arbeiten
mit Kirchenkreisen und Gemeinden in Dar es Salaam zusammen. In Dar es Salaam
gibt es neben einigen armen Kirchengemeinden auch Gemeinden, die wirklich
reich sind. Es wäre schädlich, wenn wir zu sehr mit Projekten einwirken
würden denn damit würden wir unsere Partner aus ihrer eigenen Verantwortung
entlassen.
Das Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS
statt und wurde über InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung
gGmbH) aus Mitteln des BMZ und vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

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