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Namibia (Arbeitsgruppe 4)
=> Zum Beitrag von Ulrich Scholz (Friends in One World der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen)

Ulrich Scholz (Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen)

Die Gesamtschule Lünen pflegt seit 1987 eine Partnerschaft mit der Martin-Luther-Highschool in Okombahe. Okombahe liegt ungefähr 300 km von der Hauptstadt Windhoek entfernt „in the middle of nowhere“. Die Lage abseits größerer Siedlungen hat historische Gründe. Südafrika hatte das System der Apartheid auf Namibia übertragen und Homelands eingerichtet.

Eine multi-ethnische Schule konnte der kirchliche Träger nur auf einem „weißen“ Farmgelände einrichten.
Schulpartnerschaften können Globales Lernen konkret werden lassen, können Jugendlichen Handlungsmöglichkeiten bieten bei der Planung und Durchführung von Solidaritätsaktionen und gemeinschaftlichen Entwicklungsprojekten.
Zwanzig Jahre Schulpartnerschaft zwischen der Geschwister–Scholl–Gesamtschule in Lünen und der Martin–Luther–Highschool in Okombahe, Namibia haben dafür viele Beispiele geliefert. Lernen in der Partnerschaft beinhaltet das Ein- und Ausüben praktischer Solidarität, wie es sich in unserer Partnerschaftsbeziehung in Gartenprojekten, in der gemeinsamen Renovierung und Gestaltung von Räumen und Fluren an beiden Schulen und in der Einrichtung einer kleiner Kindertagesstätte an der MLH ausdrückt.

Lernen in der Partnerschaft bedeutet für beide Schulen aber auch die gesellschaftspolitische Perspektive im Blick zu haben, historische Entwicklungen zu reflektieren, globale Zusammenhänge zu konkretisieren. Beispiele dafür sind unsere gemeinsamen Theater-, Film-, Kunst- und Geschichtsprojekte zu Kolonialismus und Rassismus oder das Projekt zur nachhaltigen Nutzung von Heilpflanzen in Namibia.
Am Beispiel Namibias die komplexe Realität von Armuts- und Entwicklungsstrukturen in den Blick zu bekommen war dann auch das Ziel, das ich mir gemeinsam mit dem namibischen Kollegen Ringo Hoeseb setzte, der von Februar bis Juni 2007 bereits als sechster Vertreter unserer Partnerschule die Geschwister – Scholl – Gesamtschule als namibischer Schulassistent besuchte und unser Schulleben bereicherte.
Namibias langer Weg in die Unabhängigkeit begann 1918 mit der Niederlage des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg. 1920 wurde die ehemalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika vom Völkerbund als Mandatsgebiet Südafrika zur Verwaltung übergeben und sollte auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden. Faktisch übernahm Südafrika die Herrschaft und hat Namibia bis 1990 sein Apartheid-System aufgezwungen. Namibia ist ungefähr doppelt so groß wie Deutschland, wird aber nur von ca. 2 Millionen Leuten bewohnt.
Die Schulpartnerschaft sieht sich nicht als Projekt der Entwicklungszusammenarbeit, sondern ist unter politischen Vorzeichen eingegangen worden: Als ein Zeichen gegen die Apartheid und zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialherrschaft. Im Gegensatz zu anderen Schulprojekten findet also kein großer Geldtransfer nach Namibia statt.
Ulrich Scholz bringt dies auf die Formel: „Schulpartnerschaft statt Schulpatenschaft“. Hierzu merkt er an, dass die staatliche deutsche Förderung in der Vergangenheit eher auf materielle Projekte fixiert ist: Die Anlage eines Schulgartens war förderfähig, ein gemeinsames Theaterprojekt nicht.
Kernstück der Partnerschaft sind Reisen im Drei-Jahres-Rhythmus. In jeder Richtung haben also jeweils sieben Besuche stattgefunden. Zudem gibt es ca. neunmonatige Aufenthalte je einer „Schulassistenz“ aus Namibia in Deutschland. Der Aufenthalt der Schulassistentin / des Schulassistenten wird von den Lehrerinnen und Lehren der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen finanziert. Die Schulpartnerschaft wird auch über das Schulcafé im Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler verankert: Das Café wurde während eines Besuchs aus Namibia gemeinsam renoviert und gestaltet und trägt seither den Namen „Café Marengo“, benannt nach dem namibischen Freiheitskämpfer Jakob Marengo.
Zu den gemeinsamen Aktivitäten im Rahmen der Schulpartnerschaft gehörten z.B. die Begleitung der Ausstellung „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ des Kopfwelten e.V. durch die nambische Delegation 2002, ein Filmprojekt, die Erarbeitung von Theaterstücken oder zwei Oral-History-Projekte.
Das neuste Vorhaben betrifft die Einrichtung einer Schulimkerei in Namibia. Hierbei kann die Gesamtschule Lünen Erfahrungen mit ihrer eigenen Imkerei einbringen.
Das Thema Rassismus ist für die meisten Namibier vor allem mit der Apartheid verknüpft. Unter dem Motto „Forgive but do not forget“ wird die Geschichte der Unterdrückung durch die Weißen aufgearbeitet.
Die weiter zurückliegenden Erfahrungen mit deutschem Kolonialismus treten eher in den Hintergrund. In Namibia sind wenig Ressentiments gegenüber den einstigen Kolonialherren spürbar.

Weitere Infos zur Schulpartnerschaft unter: www.gsg-mlh.de

Das Afrika-Seminar fand in Koop. mit der VHS statt und wurde über InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) aus Mitteln des BMZ und vom EED (Ev. Entwicklungsdienst) gefördert.

 

 

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