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FUgE-Projekte
Entwicklungspolitische Themen greift FUgE in größer angelegten Veranstaltungen und Projekte auf. Mehrmals im Monat finden Vorträge oder Konzerte statt, bei denen bekannte Referenten und Künstler die Eine-Welt-Arbeit durch ihr Wissen und Können unterstützen. Besonders viel Energie steckt FUgE in langfristige Großprojekte wie "Mercado Forestal" 2004 und „Wasserwelten“ 2005/2006. Für solche Projekte bekommt FUgE zusätzlich zu Mitgliederbeiträgen, Spenden und der institutionellen Förderung des Evangelischen Entwicklungsdienstes-EED u.a. finanzielle Unterstützung von InWent, Katholischem Fonds, VHS Hamm, Stiftung für Umwelt und Entwicklung NRW.

Steigen Sie in das Projekt ein, das Sie persönlich am meisten überzeugt:

Das FUgE-Experiment
Ein Jahr Auto (2009)

 

 

Afrika-Seminar
der Hellwegregion 2010

Konsumkritischer Stadtrundgang (Mai 2009)

Brasilien: Entwicklung
aber für wen?!

Globales Lernen und
Fairer Handel

Afrika-Seminar
der Hellwegregion 2009

Achtung! Heiße Zeiten, EWU-Tag (2009)

Streitgespräch "Brot oder Sprit?" (Feb. 2009)

Fairness und Klimaschutz (2008)

FA!Rhandeln schafft gutes Klima (September 2008)

„Essen wir den Urwald?" Sojaanbau (Juni 2008)

Kraftwerksneubauten und Klimapolitik (Jan. 2008)

Klimawandel und Handlungsfelder (2007)

Podiumsgespräch: Klimawandel (Dez. 2007)

Ausstellung: Terra – Bilder von Salgado (Sept. 2007)

Von Afrika lernen, EWU-Tag in Hamm (Sept. 2007)

Ausstellung: 1000 Families (Aug. 2007)

Wasserwelten-Projekt
(2005-2006)

Ausstellung: Terra – Bilder eines engagierten Kampfes (Sept. 2007)

 

21. Sep. bis 2. Nov. 2007 in der VHS-Hamm
Fotoausstellung von Sebastião Salgado. Die ungleiche Verteilung von Landbesitz ist eine der Hauptursachen für Hunger, Armut und Konflikte in Brasilien. Sebastião Salgado zeigt mit seinen Bildern die harte Arbeit der Landarbeiterfamilien, ihre Flucht vom Land in die Stadt und den Versuch, in den Elendsvierteln zu überleben. Er dokumentiert die gewalttätigen Auseinandersetzungen um Bodenbesitz, den Kampf der Landlosen, die brachliegendes Land besetzen, um ihr Überleben zu sichern. Sebastião Salgado, geboren in Minas Gerais (Brasilien), gilt als einer der besten und bedeutendsten Fotoreporter der Welt. Diese Fotoausstellung ist bei FUgE (fuge[at]fuge-hamm.de) auszuleihen.
Siehe Präsentation (ppt): Ausstellung Terra

 

Tafel 16 von Terra, Sebastião Salgado:
Da hier die Armut unermesslich groß ist, kam den örtlichen Kirchen der Einfall, Särge als Totenschreine und zur Überführung der Toten zum Friedhof zu vermieten. Bei der Beerdigung wird die Leiche aus dem Sarg genommen, der so immer wieder verwendet werden kann. Ceará, 1980

Beerdigung eines Tagelöhners (Siehe Kurzfilm Funeral de um lavrador 24 MB)
Nach dem Gedicht von João Cabral de Melo Neto
„Morte e Vida Severina“ (Tod und Leben von Severina), 1966:

- Das Grab, in den du liegst, nach Spannenmaß gegeben,

- Ist der geringste Lohn, den du verdientest im Leben.

- Er hat eine gute Größe, ist weder breit noch spitz.

- Es ist der Teil, der dir gehört von diesem Großgrundbesitz.

- Es ist kein großes Grab, ein Grab gut abgeteilt.

- Es ist das Land, das du hofftest, es werde aufgeteilt.

- Es ist ein großes Grab für dein bisschen Tod.

- Aber immer noch besser als all die Lebensnot.

- Es ist ein großes Grab für deine Dürftigkeit.

- Doch mehr als in der Welt wird es dir darin weit.

- Es ist ein großes Grab für dein Fleisch, so arm, so schwach.

- Doch einer geschenkten Erde sieht man manches nach.

- Ist der geringste Lohn, den du verdientest im Leben.

- Es ist der Teil, der dir gehört von diesem Großgrundbesitz.

(Es ist das Land, das du hofftest, es werde aufgeteilt.)

- Doch mehr als in der Welt wird es dir darin weit.

(Doch einer geschenkten Erde sieht man manches nach.)

- Esta cova em que estás, com palmos medida

- É a conta menor que tiraste em vida

- É de bom tamanho, nem largo, nem fundo

- É a parte que te cabe deste latifúndio

- Não é cova grande, é cova medida

- É a terra que querias ver dividida

- É uma cova grande pra teu pouco defunto

- Mas estarás mais ancho que estavas no mundo

- É uma cova grande pra teu defunto parco

- Porém mais que no mundo, te sentirás largo

- É uma cova grande pra tua carne pouca

- Mas a terra dada nao se abre a boca

- É a conta menor que tiraste em vida

- É a parte que te cabe deste latifúndio

(É a terra que querias ver dividida)

- Estarás mais ancho que estavas no mundo

(Mas a terra dada não se abre a boca)

Worum geht es hier?
Auf der Flucht vor dem Elend im brasilianischen Dürregebiet folgt Severino dem Flusslauf des Capibaribe in der Hoffnung, an der Küste lebenswertere Verhältnisse vorzufinden. Auf den Stationen von Tod und Leben sind jedoch Hunger, Armut und Leid seine einzigen Weggefährten. Siehe: Universität Passau

Tafel 21 von Terra, Sebastião Salgado:

Die Steppe kann ihre Bewohner nicht länger halten. Im Rahmen der rigiden Feudalverhältnisse ist es unmöglich, dass der Steppenbewohner ein Flecken Land besitzt, um es zum Lebensunterhalt zu bestellen. Zugleich werden immer mehr Gebiete im Nordosten abgeholzt, deshalb nimmt die Trockenheit zu, und das Land verödet immer mehr. Die Bewohner verlassen das Land und suchen ihren Lebensunterhalt in den Städten. Die Landflucht trägt das Elend in die Städte.

So ist beispielsweise die Bevölkerung von Fortaleza, der Hauptstadt von Ceará, in wenigen Jahren um das Vierfache gewachsen. Inzwischen ist sie zu einer der großen Elendsviertelmetropolen des Kontinents geworden. Ceará, 1983

Aufbruch (Mudança) – Aus der Erzählung von Graciliano Ramos:
„Vidas Secas“ (Karges Leben) 1938:

Die Schatten der Juazeiro-Bäume zeichneten sich auf dem rötlichen Boden der Ebene ab. Die Unglücklichen waren den ganzen Tag gegangen, sie waren müde und hungrig.

Gewöhnlich legten sie nur kurze Strecken zurück, aber heute hatten sie sich im Sand des Flussbettes ausgeruht und waren gut achtzehn Meilen vorwärtsgekommen. Seit Stunden hofften sie auf einen schattenspendenden Baum. Das Blattwerk der Juazeiro-Bäume tauchte zwischen den nackten Zweigen stachliger Krüppelpflanzen auf.

Na planície avermelhada os cajueiros alargavam duas manchas verdes. Os infelizes tinham caminhado o dia inteiro, estavam cansados e famintos.
Ordinariamente andavam pouco, mais como haviam repousado bastante na areia do rio seco, a viagem progredira bem três léguas.  Fazia horas que procuravam uma sombra. A folhagem dos juazeiros apareceu longe, através dos galhos pelados da catinga ralada.

Mit schleppendem Gang zogen sie weiter. Sinha Vitória hatte den blechbeschlagenen Koffer auf dem Kopf; das junge Kind hockte auf ihrer Hüfte; Fabiano machte ein brummiges Gesicht und stolperte seines Weges, die Jagdtasche über den Schulter, am Gürtel eine mit einer Kette befestigte Hölzerne Schale und die Steinschloßflinte auf dem Rücken. Der ältere Junge und die Hundin Baleia folgten ... Der ältere Junge fing zu weinen an und setzte sich auf die Erde.

Arrastaram-se para lá, devagar.
Sinha Vitória com o filho mais novo escanchado no quarto e o baú na cabeça, Fabiano sombrio, a cuia pendurada numa correia presa ao cinturão, a espingarda de perdeneira no ombro. O menino mais velho e a cachorra Baleia iam atrás ...
O menino mais velho pôs-se a chorar, sentou-se no chão.

“Geh weiter, verfluchter Kerl!” schrie der Vater.

Da seine Worte keinen Eindruck machten, schlug er mit der Lederscheide seines langen Messers auf den jungen ein. Aber der kleine wurde störrisch und wich nicht von der Stelle. Schließlich legte er sich flach auf die Erde und schloss die Augen. Fabiano versetzte ihm noch ein paar Hiebe und wartete, dass er aufstehen würde, aber der Junge rührte sich nicht. Fabiano blickte in voller Wut um sich und fluchtete leise.

“Anda, condenado do diabo!” gritou-lhe o pai.

Não obtendo resultado, fustigou com a bainha da faca de ponta. Mas o pequeno esperneou acuado, depois sossegou, deitou-se, fechou os olhos. Fabiano ainda lhe deu algumas pancadas e esperou que ele se levantasse. Como isto não acontecesse espiou os quatro cantos, zangado, praguejando baixo.

Die Einöde schien kein Ende zu nehmen. Die weißen Flecken der Knochengerippe waren in das unbestimmte Rot der Erde gestreut. Hoch oben, über den sterbenden Tieren, zogen Geier in schwarzen Flug ihre Kreise.

„Geh weiter, verfluchter Kerl!“

Der Kleine rühte sich nicht, und Fabiano fühlte sich versucht, ihn umzubringen. Sein Herz war übervoll, und er brauchte jemanden, den er für sein Unglück verantwortlich machen konnte. Die Trockenheit schien ihm etwas Unabänderliches – aber die Halsstarrlichkeit des Kindes brachte ihn ur Raserei. Selbstverständlich hatte der kleine Starrkopf keine Schuld, aber er hielt die Reise auf, und der Viehhirte musste sein Ziel erreichen. Er wusste nur nicht welches.

A catinga estendia-se, de um vermelho indeciso salpicado de manchas brancas que eram ossadas. O vôo negro dos urubus fazia círculos altos em redor de bichos moribundos.

- Anda excomungado.

O pirralho não se mexeu, e Fabiano desejou matá-lo. Tinha o coração grosso, queria responsabilizar alguém pela sua desgraça. A seca aparecia como um fato necessário - e a obstinação da criança irritava-o.
Certamente este obstáculo miúdo não era culpado, mas dificultava a marcha, e o vaqueiro precisava chegar, não sabia onde.

Sie waren von dem Weg, der voller Stachel und spitzer Steine war, vor Stunden abgewichen und trotteten dem Flussufer entlang, durch den trockenen, aufgerissenen Schlamm, der die Füße verbrannte.

Tinham deixado os caminhos, cheios de espinhos e seixos, fazia horas que pisavam a margem do rio, a lama seca e rachada que escaldava
os pés.

Nun kam dem verzweifelten Sertanejo der Gedanke, den Junge in der Wüste auszusetzen. Dann dachte er an die Knochengerippe, kratzte sich unentschlossen den roten, schmutzigen Bart und betrachtete die Umgebung.

Sinha Vitória hob den Kopf, deutete mit dem Kinn eine ungefähre Richtung an und versicherte mit rauen Kehltönen, dass es nicht mehr weit sei. Fabiano steckte das Messer in die Scheide und befestigte es am Gürtel. Dann hockte er sich nieder, fühlte den Puls des Kleinen, der die Knie zum Magen heraufgezogen hatte und zusammengekrampft und kalt wie ein Toter war.

Fabianos Wut schwand. Er fühlte Mitleid. Unmöglich den kleinen Kerl den Tieren der Wildnis zu überlassen. Er reichte Sinha Vitória die Flinte; nahm den Jungen auf den Rücken, hielt ihn an den dünnen Armen fest, die kraftlos über seine Brust hingen. Sinha Vitória gab ihre Zustimmung zu erkennen; stieß wieder einen gutturalen aus und zeigte die Richtung an, in sie die unsichtbar gewordenen Juazeiro-Bäume vermutete.

Die Reise ging weiter; noch langsamer; noch schleppender; in großer Stille.

Pelo espírito atribulado do sertanejo passou a idéia de abandonar o filho naquele descampado. Pensou nos urubus, nas ossadas, coçou a barba ruiva e suja, irresoluto, examinou os arredores.

Sinha Vitória estirou o beiço indicando vagamente uma direção e afirmou com alguns sons guturais que estavam perto. Fabiano meteu a faca na bainha, guardou-a no cinturão, acocorou-se,
pegou no pulso do menino, que se encolhia, os joelhos encostados no estômago, frio como um defunto.

Aí a cólera desapareceu e Fabiano teve pena. Impossível abandonar o anjinho aos bichos do mato. Entregou a espingarda a Sinha Vitória, pôs o filho no cangote, levantou-se, agarrou os bracinhos que lhe caíam sobre o peito, moles, finos como cambitos. Sinha Vitória aprovou esse arranjo, lançou de novo a interjeição gutural, designou os juazeiros invisíveis.

E a viagem prosseguiu, mais lenta, mais arrastada, num silêncio grande ...

 

 

 

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