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Zur Kooperation
zw. TRANSFAIR und dem Discounterkette LIDL (M.A. da Costa Melo)
I. LIDL-Offensiv
Nach langen Verhandlungsgesprächen
vertreibt Lidl seit Juni 2006 Lebensmittel in Kooperation mit TRANSFAIR,
einem Verein, der seit 1992 ein Siegel für fair gehandelte Produkte
vergibt. Das Hauptkriterium für Produkte mit dem TRANSFAIR-Siegel heißt,
man bezahlt einen Mindestpreis für die Produzenten garantiert.
Solchen Vertrieb machte auch Rewe (seit 1993), Kaiser's und andere
Supermarktketten, sogar auch der Discounter PLUS (1997 und 1998).
Lidl ist aber die erste deutsche Handelskette, die fair gehandelte Produkte
unter einer eigenen Marke vertreibt, also mit dem Siegel Fairglobe.
II. Weltladen
Lidl wird weiterhin
das Sortiment der Weltläden nicht führen, weil es in den Weltläden um mehr
geht als nur um den Verkauf von Produkten, die ein TRANSFAIR-Siegel haben.
Man findet daher bei Lidl keine Produkte von gepa. Das Handelshaus gepa
- bezieht Lebensmittel, Handwerksartikel und Textilien von 170
Genossenschaften aus 44 Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika,
- betreibt mit seinem breiten Sortiment in Kooperation mit dem
Weltladen-Dachverband, zu dem auch der FUgE-Weltladen in Hamm gehört,
Informations- und Bildungsarbeit, politische Kampagnen, die die Struktur
des Welthandels zum Positiven verändern sollen.
Die Weltläden, wie hier bei FUgE, haben ein breiteres Kriterienspektrum wie
einen Mindestpreis, Sozial- und Umweltstandards, Mitverantwortung der
Produzenten durch soziale Projekte, sowie Aufklärungsarbeit der Konsumenten
hier in Deutschland.
III. Die Chancen
Die Chancen zeigen,
dass eine Ausweitung des Verkaufs fair gehandelter Produkte in Deutschland
stattfinden kann. In England lieg der Marktanteil von Fair-Trade-Kaffee bei
etwa 20 Prozent. In Deutschland liegt der Marktanteil bei ca. 1 %, wobei
wir viel mehr Kaffee trinken als die Engländer. Man darf nicht vergessen,
vor einiger Zeit forderte die globalisierungskritische Organisation attac
im Rahmen ihrer LIDL-Kampagne, dass der Konzern fair gehandelte Produkte in
sein Sortiment aufnimmt.
IV. Die Gefahr
Die Gefahr liegt in
der Tatsache, dass durch diese Kooperation das Fair-Trade-Image einen
Schaden bekommt. Lidl vertreibt Produkte, die gerechte Arbeitsbedingungen
garantieren, gleichzeitig verhindert der Konzern aber in seinen 2.700
Filialen selber Betriebsräte. Wir wissen, dass Lidl auch mit diesem Siegel
sein Image aufzupolieren versucht. Außerdem betreibt diese Discounterkette
eine Dumpingpolitik gegenüber seinen Lieferanten.
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5) Die saubere Einkaufstasche (14.12.2006 in hier)
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Der Siegeszug von Fair
Trade wirft unangenehme Fragen auf
Lange hatten
Soli-Kaffee aus Nicaragua und Konsorten ein Imageproblem, das sie von den
Küchen der Mehrheitsbevölkerung fernhielt. Diese Zeiten scheinen vorbei -
im stagnierenden Kaffeemarkt ist Fair Trade eine der wenigen
Wachstumsmarken. Der österreichische Absatz von Fair Trade - Kaffee wächst
seit 5 Jahren um durchschnittlich 14%. 100.000 Packungen waren es im ersten
Halbjahr 2006. Dass seit September auch Hofer-Kundschaft mit dem Angebot
beglückt wird, ist ein Indiz, dass es das Fair Trade-Konzept in den
Mainstream geschafft hat. Der Trend ist international: Von den Vorreitern
Großbritannien und Schweiz angeführt, sind Fair Trade-Produkte in allen
Industriestaaten auf dem Vormarsch von den Weltläden in die Supermärkte.
Anfang der 60er aufgekommen, kam die von NGOs im Norden getragene Bewegung
erst langsam in Schwung. Seit Ende der 90er explodiert der Markt für faire
Textilien, Schokolade, Kaffee, Tee etc. so richtig. "Angewandte
Globalisierungskritik" wirkt als attraktives Versprechen.
Fairness auf dem
Vormarsch
Die Hauptprinzipien
von Fair Trade sind "gerechte" Entlohnung der ProduzentInnen und
Sensibilisierung der KonsumentInnen: Im Norden ansässige Fair
Trade-Organisationen schließen Verträge mit ProduzentInnen im Süden ab.
Diese verpflichten sich zur Einhaltung gewisser sozialer Mindeststandards
bei der Produktion und erhalten dafür einen stabilen Preis für ihre
Produkte, der über dem herrschenden Marktpreis liegt, sowie Geld für
Community-Investitionen. Gegen eine Gebühr und sporadische Kontrollen gibt
es den Stempel einer Fair Trade-Zertifizierungsstelle und den Vertrag mit
einer Vermarktungsorganisation im Norden. Diese bringt das Label an die
EndverbraucherInnen.
Der Slogan "Fair Trade, Not Aid" gewann mit der zunehmenden
Liberalisierung des Handels in den 80er Jahren an Plausibilität. Bestehende
Institutionen zur internationalen Preisstabilisierung von Rohstoffen des
Südens brachen unter dem Druck von vom Norden forcierter Liberalisierung,
Korruption und auseinanderstrebenden Eigeninteressen der beteiligten
Exportstaaten zusammen, was in Verfall und Volatilität der Preise für
Kaffee, Tee, Baumwolle und andere Exportprodukte aus dem Süden resultierte.
Angesichts eines liberalisierten Welthandels und der liberalen
Diskreditierung von Entwicklungshilfe als zweifelhaft abhängig machenden
Paternalismus, schien Fair Trade den neuen Realitäten Rechnung zu tragen,
und den ProduzentInnen zu erlauben, sich selbständig auf einem Markt zu
"empowern" - mit ein wenig Hilfe gutmeinender KonsumentInnen, die
einen kleinen Aufpreis auf den Kaffee hinnehmen.
Das derzeitige phänomenale Wachstum von Fair Trade erweist sich jedoch als
zweischneidig: Das Heraustreten von Fair Trade aus der Nische der
Solidaritäts-Szene zieht eine Menge Misstrauen und Kritik nach sich. Vor
allem in Frankreich wurde in den letzten Monaten mit der Publikation zweier
Bücher, Jean-Pierre Boris mittlerweile auf deutsch übersetztem
"Un)fair trade" und Christian Jacquiaus "Die Kulissen des gerechten
Handels", eine breite Debatte über die Probleme von Fair Trade
entfacht.
Siehe Christliche Initiative Romero: Billiger Kaffee
macht arm – Aktionszeitung hier
Ethik im
Supermarkt?
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Das Einreihen in die Regale der Supermärkte verschafft
Fair Trade Produkten zwar mehr Bekanntheit, wirft aber schwere
Prinzipienfragen auf: Der Großhandel und die GroßproduzentInnen sind die
Personifikation des unfairen Handels, sagt Christian Jacquiau. Diese
Firmen sind zentrale Akteurinnen der Preisdrückerei bei Lebensmitteln,
sind bekannt für ihre Gewerkschaftsfeindlichkeit und miese
Arbeitsbedingungen. Das Angebot von Fair Trade-Produkten erlaube diesen
Ketten, sich mit einem "sauberen" Image zu schmücken, und aus
dem schlechten Gewissen der KonsumentInnen auch noch Profit zu schlagen,
während ihre
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geradezu räuberischen Verhaltensweisen gegenüber
LieferantInnen und Angestellten undiskutiert blieben. Und während in einem
Weltladen zumindest noch die Chance auf Kontakt mit Grundsatzkritik am
Welthandelssystem bestünde, fällt in einem Supermarkt jeder pädagogische
Effekt in Zusammenhang mit dem Produktkauf weg. Wie alle Marken hat auch
Fair Trade ein Problem mit Etikettenschwindel. Der Wachstumsmarkt zieht
Trittbrettfahrer an, die unter dem "fairen" Label segeln, ohne sich
an seine Prinzipien zu halten. Die 1997 gegründete Fairtrade Labelling
Organisation (FLO) kämpft gegen die Fake-Labels an - ohne gesetzliche
Regelungen hat sie aber wenig Chance. Selbst für die strikte Kontrolle der
eigenen Partnerbetriebe fehlen ausreichend Ressourcen.
"Es ist bestimmt nicht zu leugnen, dass das starke Wachstum von Fair
Trade in den letzten Jahren sowohl eine ideologische als auch
wirtschaftliche Herausforderung für alle Beteiligten mit sich bringt, aber
genauso wenig ist zu leugnen, dass über fünf Million Menschen in den
Entwicklungsländern vom Fairen Handel profitieren", so Georg Gruber,
Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.
Was heißt aber
"profitieren"?
ProduzentInnen bekommen etwa beim Fair Trade Label Max
Havelaar im Schnitt 50 Euro pro Jahr, das sind 4 Euro pro Monat, abzüglich
Transport im Herkunftsland, hat Christian Jacquiau ausgerechnet. Wenn das
noch auf alle Mitarbeitenden dieser Betriebe aufgeteilt wird, bleibt fast
nichts. Zudem erreicht Fair Trade nur eine kleine Minderheit von ProduzentInnen
- und zwar jene, die schon gut organisiert sind und Kontakte haben, die sie
überhaupt erst mit den betreffenden Organisationen in Berührung bringen.
Wissen und bürokratische Fähigkeiten zur Bewältigung der Auflagen, um das
Zertifikat zu erhalten, sind ebenso Voraussetzung. Gerade die Ärmsten,
isoliert und ohne solche Ressourcen, bleiben somit ausgeschlossen, vermutet
Jean-Pierre Boris.
Wachstum mit
Ablaufdatum
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Fair Trade erhält viel Aufmerksamkeit. Der Anteil von
"fairen" Produkten auf den Märkten für Kaffee, Tee und Bananen
liegt aber in Österreich genauso wie in den meisten anderen Ländern nur
bei rund 2% - der weitaus überwiegende Teil des Handels ist nach wie vor
"unfair". [Beispielsweise liegt er für Kakao bei nur 0,1 Prozent.
Auch Direktvermarkter beziehen ihre Rohstoffe stets von denselben
Produzenten - häufig zu Konditionen, die noch besser als im fairen Handel
sind. Die besten Anlaufstellen in Berlin sind der Kaffeeröster
„Berliner Bohne” (www.berlinerbohne.de)
und „Impala Coffee” in der Pappelallee (www.impala-coffee.com).
Die Frage ist auch, ob der Fair Trade-Markt das
Wachstum über einen bestimmten Punkt hinaus verträgt, ohne
zusammenzubrechen. Wie auch bei Bio-Produkten wird es bei steigender
Nachfrage schwieriger, ein allen Kriterien entsprechendes Angebot zu
finden bzw. die Einhaltung der Kriterien zu kontrollieren. Und wenn dann
ein Punkt kommt, wo die Nachfrage nicht mehr wächst, werden neue, vom
Wachstum angelockte ProduzentInnen weggeschickt werden müssen und damit
eine Zweiklassen-Gesellschaft von ProduzentInnen befestigt, prophezeit
die Financial Times in einem jüngsten Survey.
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Armut
muss Geschichte werden
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Die Kritik
Die Kritik, dass
die höheren Preise für Fair Trade-ProduzentInnen als Anreiz wirken, die
bestehende Überproduktion von Produkten wie Kaffee - und damit deren
allgemeinen Preisverfall auf den Weltmärkten - weiter anzuheizen, hat sich
zwar bisher nicht bestätigt. Entwicklungskritische Stimmen geben aber zu
bedenken, dass mit Fair Trade die Exportorientierung in Ländern des Südens,
und damit die Abhängigkeit von Konsumlaunen im Norden unterstützt wird,
während die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln im eigenen Land leidet.
Fair Trade sei "schön und gut", aber ein Tropfen auf den heißen
Stein, der bestenfalls die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit lenken
könne, sich politisch für eine Änderung der Spielregeln im Welthandel
einzusetzen, meint Jean-Pierre Boris: Früher gab es dafür internationale
Organisationen, die - ähnlich wie die OPEC im Ölgeschäft - die Produktion
und damit den Preis kontrolliert haben und so für ein Mindestniveau und
eine gewisse Stabilität der Einkommen der ProduzentInnen gesorgt haben.
Seit der Liberalisierung des Handels entwickeln sich die Preise der meisten
Nahrungsmittel-Rohstoffe - im Unterschied zu den Preisen für Importe aus
dem Norden - mit wenigen Ausnahmen stetig nach unten. Wenn die
internationalen Preisarrangements schon nicht wiederbelebt werden können,
muss es zumindest einen Mechanismus geben, der die Gewinne der großen
Einkäufer und Weiterverarbeiter im Norden besteuert und umverteilt.
Fair Trade ist zwar auch eine Art Umverteilung, freiwillig, auf kleinem
Niveau und unter einem beschränkten Kreis von Beteiligten. "Aber wenn
schon spenden, dann doch lieber direkt Geld an Projekte überweisen, die man
unterstützenswert findet, und im Supermarkt das billigste - wenn nicht gar
umsonst - kaufen, statt einen Aufpreis auf Kaffee in die Hände von
kommerziellen Firmen zu legen, die das dann in unbekannter Höhe an Bauern
in Afrika weitergeben", meint etwa Aktivist R. zum Thema. Fairness ist
halt ein vieldeutiges Konzept.
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6) Filmpräsentation: WE
FEED THE WORLD (von Erwin Wagenhofer)
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Reflektion und
Diskussion zum ausgeschnittenen Film:
Zu sehen sind Gewächshäuser so weit das Auge reicht, Hühner in rauen Mengen
und nicht zuletzt Sojawälder, wo gestern noch Regenwald stand. Erwin
Wagenhofer hat sich in seinem Dokumentarfilm "We feed the world -
Essen global" auf die Spur von Lebensmitteln gemacht.
Was er zeigt, kann einem durchaus auf den Magen schlagen, zumindest aber
zum Nachdenken bringen. Darüber zum Beispiel, was gut gefüllte Kühlschränke
in Überflussgesellschaften mit Armut und Hunger in anderen Ländern zu tun
haben.
Ein Dokumentarfilm, der viele Verbraucher die Tomaten von ihren Augen
nehmen lassen sollte.
Für das Verständnis des "globale Lernens" und Werbung für den
Ansatz der Weltläden empfehle ich die Präsentationen dieses Films in
Ihren/Euren Räumen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
und engagierte Teilnahme!!!
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